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1.2.8 KRINOIDI.DOC


Rudolf Frisius

Iannis Xenakis: Krinoidi (1991)

"Krinoidi" (der Titel bedeutet: Seelilien) ist eine Komposition für großes Orchester, in der Bläser (3 Flöten, 3 Oboen, 3 Klarinetten, 3 Fagotte; 3 Hörner, 3 Trompeten, 3 Posaunen) und Streicher (14 erste Violinen, 12 zweite Violinen, 10 Bratschen, 8 Celli, 6 Kontrabässe) bald in massiven Blöcken (synchron), bald in rhythmisch divergierend überlagerten Einzelschichten (asynchron) einander gegenübergestellt sind. Die musikalischen Gestalten bilden sich im Spannungsfeld zwischen totaler Synchronität und dichten rhythmischen Schichtungen. Dabei ergibt sich eine klare Gliederung in verschiedene Teile:

Das Stück beginnt mit dichten, kräftigen Bläserakkorden, die langsam, choralartig beginnen, sich beleben mit rascheren Zeitwerten und rhythmischen Verschiebungen und schließlich auf einem lang ausgehaltenen Zäsurakkord zur Ruhe kommen.

Auf dem Schlußakkord setzt leise ein dichter, rhythmisch vielschichtiger Streichersatz ein, in wechselnden Überlagerungen mit verschiedenen Dreiergruppen der Bläser (Fagotte - Flöten - Oboen - Hörner - Klarinetten - Trompeten - Posaunen). Die Dynamik wechselt stärker als zuvor, vor allem in zahlreichen Crescendi und Decrescendi der Streicher. Auch dieser Teil endet akkordisch - diesmal im (nachdrücklich akzentuierten und mehrfachen) Wechsel zwischen allen Bläsern und allen Streichern.

Anschließend überlagern sich ein rhythmisch aufgefaserter Streichersatz und blockhaft dichte, gravitätische Bläserakkorde. Kurz danach (im Anschluß an eine kurze Pause) gehen auch die Streicher zu Akkordblöcken über, bis schließlich die Entwicklung in drei Akkokrdakzenten des ganzen Orchesters mündet. Von dieser Stelle an bis zum Schluß des Stückes steht der Streichersatz im Zeichen dichter Tontrauben. Auch im Bläsersatz herrschen wuchtige Akkordbildungen vor - allerdings fast durchweg in anderen Rhythmen als bei den Streichern, manchmal überdies sich aufspaltend in verschiedene Schichten. - Im größeren Zusammenhang ist zu erkennen, daß der Bläsersatz sich verdichtet und mehr und mehr in den Vordergrund tritt. Im allerletzten Takt allerdings bleiben nur die Streicher übrig, mit einem lange ausgehaltenen Cluster.
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